Weiter geht es mit einer neuen Staffel seliger Offlinebeobachtungen. Nach São Tomé und Principe, Madagaskar und den Seychellen nun in der Version 4.0. Diesmal von den Galapagos-Inseln.
Gleich der erste Fuß auf den Inseln bietet die Chance zum globalisierten Schulterschluss in Sachen urbaner Probleme. Der laue Wind trägt gänzlich unlaue Duftnoten mit sich: Hundekot auf den Bürgersteigen. Wir fühlen uns heimisch. Und präsentieren großstädtisch geschulte Ausweichmanöver bei Beibehaltung des Schritttempos.
Wenn es irgendwen interessiert hätte, hätte er vielleicht gedacht: "Mann, die haben's aber drauf!" Aber es ist zu dieser allzu sonnigen Zeit kaum jemand auf den Straßen dieser Stadt, die nur nach hiesigen Maßstäben eine Stadt ist. Und die Hundehinterlassenschaften sind von Seehunden. Besser gesagt: Seelöwen - was für den Biologen und Einheimischen natürlich einen gewaltigen Unterschied darstellt. Aber ein Seelöwe lässt sich dem Laien am einfachsten beschreiben, wenn man sagt, dass das eben so ein Tier sei, bei dem man begeistert aufschreit: "Guck mal, ein Seehund!"
Im Verlauf der weiteren Wochen werden wir auch noch zu Kennern der Details. Momentan wundern wir uns über die riesige Anzahl der Tiere, die sich auf den Bürgersteigen, Spielplätzen und Parkbänken breitgemacht haben und man schämt sich ein wenig, über seinen vorschnell verzückten, fotoapparathervorzückenden Ausruf "Guck mal, ein Seehund!". Weniger wegen der biologischen Unschärfe. Die liegen hier einfach zu Hunderten in den Straßen. Und es ist keinesfalls übertrieben zu warnen, mit etwas Alkoholeinfluss liefere man sich der erhöhten Gefahr aus, auf dem Heimweg über eines jener Tiere zu stolpern. Aber was treibt sie eigentlich gerade hierhin, da doch 90% der Insel zugangsgeschützter Nationalpark sind, der paradiesische Ruhe an Traumstränden verheißt?
Ist es Langeweile? Taugen durch den Sand schlurfende Krabben allein nicht als Abendunterhaltung? Komponieren kläffende Hunde, rumpelnde Autos und plärrende Freikirchenlautsprecher die schönere Nachtmusik?
An dem einzigen offiziell für Bewohner und Besucher ohne Guide-Begleitung freigegebenen Strand lässt sich der überall angemahnte Mindestabstand von zwei Metern nirgendwo mehr aufrechterhalten. Es sind vor allem die Seelöwen, die sich nicht darum kümmern und die Enge der Bucht bietet dem Regelbewussten zu wenig Ausweichraum. Alles mischt sich. Seelöwen vor und hinter dir, auch im Wasser, wo sie erwartungsvoll beobachten, ob man denn nicht irgendeine coole oder halbwegs interessante Schwimmbewegung hinbekommt. Überall Seelöwen.
"Wie Tauben", denke ich und erinnere mich später noch einmal daran, als bei einer Wanderung durch den Nationalpark der Führer plötzlich Halt macht und auf einen Vogel deutet, der in einigen Metern Entfernung über den Trampelpfad tapert. "Eine Taube! Wunderschön. Man sieht sie sehr selten hier."
Trotz Globalisierung bewahren sich glücklicherweise doch einige Eigenheiten an den unterschiedlichen Enden der Welt.
* * * Soundtrag zum Eintrack:
Katzenjammer - To the sea
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