Kann es sein, dass dies die späteste Jahresbestenliste der Alben von 2011 ist? Und kann es sein, dass ich es vollends vergessen hätte, wäre nicht jüngst eine Beschwerde in meinem Mailfach gelandet, dass eine Blog-Rubrik namens "Platten der Saison" in diesen Tagen nicht mit der Bestenliste von 2010 enden sollte. Richtig. Und allein durch meinen den Jahreswechsel überlappenden Urlaub in Ecuador sowie anschließendem Berlinale-Gewimmel zu entschuldigen. Nun aber auch nachgeholt und feierlich ausgerollt:
DIE TOPTEN DER SCHICKSTEN ALBEN VON 2011Wie in den letzten Jahren sollen in der
Durchfall und
Hochzeit-Kategorie der schlechteste/beste Song des Albums genannt sein und mit den
Worten zur Mitte ergründet werden, was uns der Künstler eigentlich sagen will. Dafür lassen wir ihm die Hälfte des Albums zum Aufwärmen.
Die
Minuten über Null geben an, wie viel Spielzeit dem Hörer jenseits der Mindestlänge von 40 Minuten geboten werden und die
Amazon-Inflationsrate das Verhältnis vom Preis der Neuware zum günstigsten Gebrauchtangebot an, sozusagen der Wertverfall zum Tageskurs.
Platz 1
Kitty, Daisy & Lewis - Smoking In Heaven Die Hälfte der Lieder mag zu uninspiriert oder gestreckt daherkommen, die andere Hälfte lädt derart zum Dahinschmelzen ein, dass man kaum wieder auf die Beine kommt. Und selbige müssten dann eigentlich sogar tanzen. Ich sterbe für die verschnupfte Stimme von "Will I Ever". Und kann mir dank dieses Albums noch einige weitere Todesarten vorstellen.
Amazon-Inflationsrate: 1,30
Minuten über Normal Null: 20,24
Worte zur Mitte: "-" (Instrumental)
Hochzeit: You'll Soon Be Here & I'm So Sorry
Durchfall: What Quid?
Platz 2
Tom Waits - Bad As Me Dem Altmeister beim unbeschwertem Song-Aus-Dem-Ärmel-Zaubern beizuwohnen bleibt ein Vergnügen, das dem staksigen Herumgegurke der Hipster-Bands einen sicherlich unbeabsichtigten Stinkefinger entgegenreckt. Entspanntes Herumhumpeln, hübsch angedreckte Instrumente und Gesangslagen, bittersüße Melancholie und hupende Kracher ohne große Hits oder Ausreißer. Besser kann das nur Tom Waits selbst. Diesmal macht er es eben so. Reicht allemal.
Amazon-Inflationsrate: 1,49
Minuten über Normal Null: 4,39
Worte zur Mitte: "Put the sun behind the clouds, put me back in the crowd"
Hochzeit: Bad As Me
Durchfall: Kiss Me
Platz 3
Bright Eyes - The People's Key Ein von den übrigen Jahresbestenlisten gänzlich ignoriertes Album. Wohl weil man meint, dem guten Connor Oberst in seinem kurzen Leben schon genug Lob zugesprochen zu haben, als dass der Mann nicht in Gefahr stünde, völlig abzuheben. Ich sehe das pragmatischer: Allein dem Doppelschlag von "Heavy Load" und "Jejune Stars" gebührt eine Wertschätzung, für den jede Charakterverschlechterung in Kauf zu nehmen ist. Danach folgt einige Bright Eyes-Durchschnittskost. Aber auch die üblicherweise fernab vom Unverdaulichen.
Amazon-Inflationsrate: 2,43
Minuten über Normal Null: 7,02
Worte zur Mitte: "I've seen stranger things, i've seen that tree of smoke"
Hochzeit: Jejune Stars
Durchfall: One for you, one for me
Platz 4
PJ Harvey - Let England Shake Trotz aller Konzeptartigkeit ein leichtfüßig hineintippelndes Album, das das mitunter ja doch aufdringlich geratende Organ PJ Harveys immer wieder kongenial einbettet. Und meine gesungene Lieblingszeile der Platte geht seit ein paar Wochen als Ohrwurm in Summ-Dauerrotation: What if i take my problem to the United Nations.
Amazon-Inflationsrate: 1,67
Minuten über Normal Null: 0,14
Worte zur Mitte: "Cruel nature has won again"
Hochzeit: The Last Living Rose
Durchfall: The Colour Of The Earth
Platz 5
Frank Turner - England Keep My Bones Sollte Frank Turner eines Tags mal behaupten, den Namen Billy Bragg noch nie gehört zu haben, würde er wohl direkt von der Hölle verschluckt werden. Er pflegt ohne Frage eine Über-Nähe zum Pathos, vergilt diese aber mit schnuckeligsten Refrain- und insbesondere Bridge-Melodien. In "Rivers" hält er diese so lange zurück, dass das Aha-Erlebnis eine wahre Gute-Laune-Bombe ist.
Amazon-Inflationsrate: 1,43
Minuten über Normal Null: 4,13
Worte zur Mitte: "I remain, i am remembered"
Hochzeit: I Still Believe
Durchfall: English Curse
...sowie in aller Kürze die Plätze 6-10:
6. Ja, Panik - DMD KIU LIDT
7. The Go! Team - Rolling Blackouts
8. Friska Viljor - The Beginning of the Beginning of the End
9. Manchester Orchestra - Mean Everything to Nothing
10. Wild Beasts - Smother
* * * Soundtrag zum Eintrack:
Element of Crime - Im vorigen Jahr
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